Ein Schuttfeld, das sich bewegt. Es sieht aus wie jede andere Moräne unter einer Scharte — doch unter den Blöcken steckt Eis, und das Ganze fließt talwärts wie ein Gletscher, nur langsamer und ohne fotogene blaue Front. Der Blockgletscher im Dösental. Sie queren ihn am zweiten Tag und merken es vermutlich nicht, bis es Ihnen jemand sagt.
Die Durchquerung von Mallnitz ins Maltatal sind drei Tage und dreiunddreißig Kilometer quer durch die Ankogelgruppe — den östlichsten Winkel der Hohen Tauern, wo es deutlich ruhiger zugeht als rund um den Großglockner.
Tag eins ist lang, aber gutmütig. Vom Dorfplatz in Mallnitz elf Kilometer durchs Dösental: erst Bergwald, vorbei an der alten Venezianersäge, dann über die Waldgrenze zum Dösener See. Darüber steht das Arthur-von-Schmid-Haus auf 2.281 m. Knapp 1.200 Höhenmeter klingen hart, verteilt auf elf Kilometer gehen sie sich überraschend gut.
Tag zwei ist kurz — und der eigentliche. Sechs Kilometer, keine vier Stunden, dafür die volle hochalpine Portion. Hinauf zur Mallnitzer Scharte (2.672 m) über Blockgelände und Platten, das letzte steile Stück darunter ist seilversichert. Auf der anderen Seite über den erwähnten Blockgletscher hinab zur Gießener Hütte (2.215 m). Je nach Jahreszeit liegen Altschneefelder im Weg.
Tag drei ist ein langer Abstieg. Fünfzehn Kilometer durch den Gößgraben, am Gößkarspeicher vorbei und durch die Gößfälle ins Maltatal. Über 1.500 Höhenmeter hinab, technisch aber der leichteste Tag — und ein Finale mit drei Wasserfällen statt staubigem Forstweg.
Was über allem steht. Die Hochalmspitze, 3.360 m, höchster Gipfel der Ankogelgruppe. Man nennt sie Tauernkönigin, und sie ist von allen vier Seiten vergletschert. Der Anstieg ist eine andere Disziplin: Der Detmolder Grat ist seit 2013 ein durchgehender Klettersteig, an dem trotz Sicherung im Grad UIAA II geklettert wird. Klettersteigset, Steigeisen, Pickel und Gletschererfahrung sind Pflicht. In diese Durchquerung gehört das nicht.
Wann. Etwa Ende Juni bis Ende September, abhängig von Hüttenöffnung und Schnee unter der Mallnitzer Scharte.
Drei Tage, zwei Hütten, eine Scharte und ein Gletscher, der aussieht wie ein Haufen Steine.
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