Ein Felsentor so hoch wie ein Kirchturm. Und darunter ein altes Zollhaus, wo früher Schmuggler über die Grenze gingen. Das ist das Schweizer Tor — und du gehst hindurch direkt am Anfang.
Der Rätikon Höhenweg ist nicht die längste Höhenwanderung der Alpen. Er ist eine der dichtesten. Fünfundfünfzig Kilometer, dreieinhalbtausend Meter Aufstieg, vier bis fünf Tage — und in dieser Zeit berührst du die Grenzen dreier Länder: Österreichs Vorarlberg, der Schweizer Graubünden, und Liechtenstein hast du ständig im Blick. Grenzen, die früher von Zöllnern bewacht und von Schmugglern umgangen wurden. Zur Carschinahütte folgt man bis heute ihren alten Pfaden über die Pässe Groubapass und Plaseggapass.
Das Gestein? Kalkstein. Weiße Wände, die aus blühenden Alpwiesen fast senkrecht nach oben schießen. Über dir thront die ganze Zeit ein Trio, das du dir merken wirst: Sulzfluh (2818 m), die zerklüftete Drusenfluh und Drei Türme — die drei Felszinnen, nach denen unzählige Fotos benannt sind. Du gehst unter ihren Südwänden. Und sie wachsen mit jedem Schritt.
Start und Ziel sind am See Lünersee — das türkisblaue Auge im Montafon, über dem die Douglass Hütte thront. Von dort über das Schweizer Tor hinab zur Lindauer Hütte (1744 m), die österreichische Alpenverein-Hütte direkt unter den Drei Türmen. Klassik. Am zweiten Tag steigt man über das Drusentor auf die Schweizer Seite zur Alpenverein-Hütte Carschinahütte SAC (2236 m) — der Schweizer Alpenverein, mit Blick auf die Drusenfluh von hinten, von der Prättigauer Seite. Am dritten Tag geht es über den Pass Cavelljoch zur Schesaplanahütte (1908 m). Und dann kommt der König.
Schesaplana. 2965 Meter. Der höchste Berg des ganzen Rätikons. Der Aufstieg erfolgt in der letzten Etappe über das Schesaplanasattel — ein langer, teilweise gesicherter Aufstieg, nach dem die Waden noch lange protestieren, aber der Blick öffnet sich plötzlich auf drei Länder gleichzeitig. Der Abstieg über die Totalphütte zurück zum Lünersee schließt den Kreis. Wer noch eine Nacht extra möchte, baut noch die Tilisunahütte unter der Sulzfluh ein.
Für wen? Für den geübten Wanderer, der einen Rucksack tragen und eine Kette nicht fürchten kann. Es ist keine Via Ferrata, aber ein paar Stellen sind gesichert und die Exposition kann hier druck machen. "Mittelschwer" bedeutet nicht Spaziergang — es bedeutet Berge, die man ohne Kletterkurs gehen kann, aber mit Respekt und sicheren Schritten.
Wann gehen? Juli bis September. Davor liegt noch Schnee in den Pässen, danach schließen die Hütten und das Wetter wird rau.
Wie reservieren? Jede Nacht separat, direkt in den Alpenverein-Hütten — österreichischer ÖAV, Schweizer SAC. Am einfachsten über das Portal hut-reservation.org, und im Sommer gerne Wochen im Voraus. Der Rätikon ist ein beliebtes Gebirge und Betten in der Carschinahütte oder Schesaplanahütte gibt es nicht viele.
Fünfundfünfzig Kilometer Kalkstein, drei Länder und ein Felsentor. Fragst du dich immer noch, wie die Schmuggler hier durchkamen?
Wähle das Startdatum — bei jeder Nacht auf der Route siehst du sofort die freien Betten und reservierst direkt über das offizielle System des Alpenvereins.