Hundert Kilometer. Ein Gebirge. Und Sie werden es kein einziges Mal durchqueren — Sie umwandern es einfach, wie wenn Sie einen Gegner vor Handschlag prüfen würden.
Der Meraner Höhenweg ist eine Rundtour mit Markierung 24, die den Texelgruppe-Massiv im Südtiroler Naturpark über Meran umwaldet. Etwa 100 km, rund 5.100 m Höhenmeter, fünf bis acht Tage je nachdem, wie sehr Sie es home treibt. Und nach Hause zu fahren wird Sie gar nicht locken.
Warum ausgerechnet hier? Weil das keine durchdachte Trek ist. 1985 verbanden sich hier nach fast zehn Jahren Arbeit alte Bauernwege — Pfade, auf denen Bergbauern hundert Jahre lang Vieh zur Alm trieben — zu einer Rundtour. »Ein Band der Freundschaft von Hof zu Hof, von Tal zu Tal.« Der lokale Alpenverein eröffnete sie am 30. Juni. Sie gehen also durch Geschichte, nicht auf Asphalt.
Das Gelände hat zwei Gesichter. Der Nordteil ist hochalpin — hier bringen Sie Kondition mit und sicheren Schritt, weil der Höhepunkt der Route, Sattel Eisjöchl auf 2.895 m, kräftig zupackt. Der Südteil ist sanfter: ein sonniger Balkonweg über dem Etschtal, für auch weniger erfahrene Wanderer gut. Über Ihnen hängen die gletscherpolierten Gipfel der Texelgruppe, unter Ihren Füßen Weinberge und Apfelbäume des Südtiroler Tals. Solchen Kontrast geben die Alpen sonst nicht her.
Etappen? Typischerweise startet man über Partschins bei der Gaststätte Giggelberg, wohin Sie die Texelbahn bringt. Gleich am Anfang kommt die berühmte 1000 Stufen Schlucht — sie verspricht tausend Stufen und serviert 987 (wir haben für Sie gezählt), mit Hängebrücke über dem Wasserfall seit 2017. Dann über Katharinaberg in die wildeste Ecke der Route zum Eishof — ein Bergbauernhof, der bis Ende des 19. Jh. der höchstgelegene dauerbesiedelte Ort Alttyrols war, erstmals 1300 urkundlich belegt. Der Höhepunkt führt über den Eisjöchl zur Stettiner Hütte auf 2.875 m. Diese Hütte wurde im Februar 2014 von einer Lawine fortgerissen; das neue, moderne Gebäude steht seit 2022. Dann Abstieg zur sanfteren Südseite zurück auf dem Balkonweg über Meran.
Für wen ist das? Für jeden, der mehrtägiges Hütte-zu-Hütte stemmt und vor Exposition im Nordteil nicht bange wird. Familien und alle, die lieber genießen als leiden, nimmt die Südvariante mit. Wer die ganze Runde will, sollte Beine haben, die 6 bis 8 Stunden täglich gehen.
Wann aufbrechen? Hochsaison ist Juli bis September — hochalpine Abschnitte ohne Schnee, Stettiner Hütte offen. Der Südbalkon kann man viel länger gehen, von Frühling bis Herbst, wenn oben noch oder schon wieder Winter ist. Frühling riecht nach Apfelblüte, Herbst färbt Lärchen zu Gold.
Reservierungen? Hütten und Bergbauernhöfe auf der Route sind großteils Alpenverein oder private Wirtschafter. Platz voraus buchen, besonders Stettiner Hütte und Eishof — Kapazität knapp, im August voll. Mitgliedschaft im Alpenverein (AVS, ÖAV, DAV) gibt Rabatt und besseren Zugang zur Reservierung.
Hundert Kilometer rund um ein Gebirge. Sie geben ihm die Hand schon am ersten Tag — und er lässt Sie nicht los, bis Sie ihn umwaldet haben.
Wähle das Startdatum — bei jeder Nacht auf der Route siehst du sofort die freien Betten und reservierst direkt über das offizielle System des Alpenvereins.