Fünf Tage. Fünf Hütten. Und kaum ein Meter, in dem deine Beine Ruhe haben.
Die Lechtal Durchquerung ist kein Ausflug, bei dem du ein Schnitzel mitnimmst und gute Laune. Es ist ein Durchgang durch den ganzen Grat der Lechtal Alpen — 60 km, auf denen du 5500 m erklimmst, und das alles oben, wo Pässe in Dutzenden gezählt werden und eine Ebene seltener ist als Handyempfang. Der klassische Lechtaler Höhenweg hält sich zwischen 2000 und 2500 m Höhe und ist Teil der Nord-Alpinen Fernwanderroute 01 und des europäischen Fernwanderweges E4. Du nimmst den nahrhaftesten Fünf-Tages-Bissen: von Lech am Arlberg bis hinab nach Höfen über Reutte.
Der Start hat eine Besonderheit. Die Rüfikopfbahn-Bahn hebt dich in den ersten Hügel hinauf — und bevor du "das ist doch Betrug" sagen kannst, stehst du unter der Stuttgarter Hütte (2310 m). Eine Hütte der Schwaben-Sektion des Deutschen Alpenvereins, erbaut 1910, sitzt genau auf der Grenze zwischen Tirol und Vorarlberg. Rundherum nur Zweitausender über 2600 m: Roggspitze (2747 m), Valluga (2809 m). Hier merkst du dir, wie Komfort aussieht. Die nächsten Tage wirst du ihn nur in Erinnerung haben.
Der zweite Tag führt über das Seescharte (2599 m) und unter der Großbergspitze (2657 m) vorbei zum Württembergerhaus (2220 m). Das Gelände zieht an. Und der dritte Tag bringt einen Ort, über den du erzählen wirst: Die Roßkarscharte (2450 m) ist mit Seil gesichert. Nicht eine Ferrata mit kompletter Ausrüstung von Kopf bis Fuß, sondern ein Abschnitt, wo deine Hände tun, was deine Augen nicht sehen wollen. Dahinter wartet die Steinseehütte (2061 m) über Zams — eine Hütte, benannt nach dem gletscherblauem See Steinsee kurz unter ihr, etwa eine halbe Stunde Fußweg entfernt. Ein Felsenamphitheater aus Parzinnspitze, Dremelspitze und Steinkarspitze rundherum. Hier zeigt sich der Lechtal-Grat in voller Pracht: nacktes Granit, wo die Krone des ganzen Gebirges — Parseierspitze (3036 m), der einzige Dreitausender der Lechtal Alpen — nie fern weg ist.
Der vierte Tag führt hinab und hinauf zur Muttekopfhütte (1934 m) unter dem majestätischen Muttekopf (2774 m), einem Berg, der über Imst ragt wie eine zerklüftete Krone. Der fünfte Tag ist der letzte Zug über die Anhalter Hütte (2038 m) über den Wiesen der Oberen Pötzigalp — und dann nur noch hinab nach Höfen. Aus. Deine Beine werden dir danken und dich gleichzeitig verfluchen.
Für wen: für erfahrene Bergsteiger. Nicht für Enthusiasten nach der ersten Tour. Diese Route braucht einen sicheren Tritt, einen Kopf, der sich über senkrechten Wänden nicht dreht, und Kondition für Tagesetappen, die neun Stunden dauern und über 1500 m Aufstieg bringen können. Wer das mitbringt, bekommt einen der reinsten Grate der Ostalpen — ohne Menschenmassen, ohne Liftunterstützung mitten drin, nur Fels, Pässe und Hütten als Oasen.
Wann gehen: Die Saison ist kurz, etwa Ende Juni bis Mitte September, wenn die Hütten offen und der Schnee aus den Pässen weg ist. Davor oder danach zahlst du bei den Seilsicherungen einen Preis. Das Wetter im Grat kann sich in einer Stunde drehen — plane einen Puffertag ein und behalte die Vorhersage wie ein Falke im Auge.
Wie reservieren: Die Hütten werden von Alpenverein-Sektionen verwaltet (Stuttgarter Hütte, Steinseehütte, Muttekopfhütte, Anhalter Hütte und mehr). Betten reservierst du vorher über das Reservierungssystem des Alpenvereins oder direkt in der Hütte — über den Sommer sind sie voll und auf freie Plätze zu spekulieren ist Glücksspiel. Alpenverein-Mitgliedschaft zahlt sich auf so vielen Hütten aus: Rabatt auf Übernachtung und Essen.
Fünf Tage, fünf Hütten, ein Grat. Und am Ende in Höfen, wenn du dich umdrehst und hinauf zu dem Rüfikopf schaust, wo dich die Bahn vor fünf Tagen raus gesetzt hat — du wirst nicht glauben, dass du diese Strecke zu Fuß gegangen bist.
Wähle das Startdatum — bei jeder Nacht auf der Route siehst du sofort die freien Betten und reservierst direkt über das offizielle System des Alpenvereins.