Drei Tage, drei Hütten, eine Runde über dem Priental — und darüber hinaus ein Berg, dem im Chiemgau niemand anders nennt als Blumenberg.
Die Chiemgauer Hüttentour ist nicht der Trek, zu dem man sich Steigeisen anschnallen und am Gletscher beten muss. Es sind 32 km über die Grastücher der Chiemgauer Alpen, wo statt Firn Blütenteppiche unter den Sohlen sind und statt Stahlseilen deine eigenen Waden dich halten. Schwierigkeit mittel, kein Klettersteig, keine exponierten Ecken. Aber 2.746 m Höhenmeter in drei Tagen — so viel, wie fünfmal von Aschau hoch und wieder runter, nur mit Rucksack und Aussicht.
Start und Ende ist Hohenaschau im Priental, auf Sichtweite von der Kampenwand. Von dort hebt sich die Route über die Hofalm zur Riesenhütte (1.345 m) auf der Riesenalm unter dem Hochries. Die Hütte steht hier seit 1913 — aber Achtung: seit Herbst 2013 ist sie auf unbestimmte Zeit geschlossen, also schläft man heute ein Stück höher auf der Hochrieshütte. Das ist ein Detail für Kenner: Die Hochrieshütte war nach ihrer Eröffnung 1914 die erste Ski-Berghütte auf dem ganzen Gebiet des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Die erste. Keiner hatte vorher die Idee gehabt, dass man eine Hütte auch auf Brettern erreichen kann.
Der zweite Tag führt über den Rücken durch Predigtstuhl (1.494 m) und Klausenberg zum Spitzsteinhaus (1.252 m). Dieses Haus hat eine Geschichte: es wurde schon 1902 gebaut, im Winter 1980 brannte es ab und der neue stand schon den nächsten Herbst — fünfzig Meter tiefer. Der Weg ist Panorama pur — unter dir das ganze Priental, rundum die Gipfel des Chiemgau.
Der dritte Tag ist Belohnung. Über Sachrang und Burgeralm kommst du zur Priener Hütte (1.410 m), traditionell bayerische Berghütte, die die Sektion Alpenverein Prien am 10. August 1930 eröffnete und heute hundert Menschen beherbergt. Und sie steht genau dort, wo sie hin muss — direkt unter dem Geigelstein (1.808 m). Das ist der Blumenberg: einer der höchsten Berge der Chiemgauer Alpen, an dessen Hängen etwa 720 Farn- und Blütenpflanzen-Arten wachsen, 111 davon geschützt. Seit 1991 Naturschutzgebiet. Vom Gipfel schaust du über die Reiter Alm und die Loferer Steinberge bis zu den Hohen Tauern. Auf dem Berggipfel ein Kreuz und eine kleine Kapelle — und unter dem mehr Blüten, als du sonst sehen wirst.
Wer ist das für. Für jeden, der einen Mehrtages-Hut-zu-Hut-Trek ohne Gletscher, Stahlseile und Adrenalin-Grenze verstehen möchte. Familien mit ausdauernden Kindern, Anfänger in der Berghütte, jeden, der drei Tage nur Glöckchen und Wind hören will. Wer mehr will: die offizielle Chiemgautour geht weiter — vierte Etappe über den Geigelstein bis zur Kampenwand.
Wann aufbrechen. Die Hütten-Saison ist Sommer, ideal Juni bis September — den Geigelstein blüht am stärksten im Frühling, aber genau deswegen gelten von Ende März bis Ende Mai Schutzmassnahmen-Sperrungen zum Rossalm und Weitlahnerkopf hin. Die Blumen haben Vorrang.
Wie reserviert man. Übernachtung auf Hütten über Alpenverein, bzw. direkt bei einzelnen Hütten (Priener Hütte verwaltet die Sektion Prien). DAV/ÖAV-Mitglieder zahlen fürs Bett weniger — und in der Hochsaison reserviert man vorher, nicht an der Tür.
Die Chiemgauer Hüttentour ist kurz. Aber nicht klein. Drei Tage über dem Priental, drei Hütten mit eigener Geschichte und ein Blumenberg, der dich lehrt, unter deine Füsse zu schauen. Wer sagte denn, dass Berg wehtun muss, um zählen zu dürfen?
Wähle das Startdatum — bei jeder Nacht auf der Route siehst du sofort die freien Betten und reservierst direkt über das offizielle System des Alpenvereins.