Sieben Tage. Sieben Hütten. Ein Rundweg, der in Obergurgl beginnt und endet – und fast die ganze Woche unter Ihren Füssen ist Eis.
Die Ötztaler Hüttenrunde ist kein Spaziergang durch Wiesen. Es ist ein siebentägiger hochalpiner Trek durch das Herz der Ötztaler Alpen, Österreichs am stärksten vergletscherter Ecke: 72 Kilometer, 5.800 Meter Aufstieg. In die Waden übersetzt – in einer Woche ersteigen Sie ein Höhendifferenz, als würden Sie vom Meeresspiegel fast auf den Mont Blanc hinaufsteigen. Nur mit Rucksack, ohne Bahn und ohne Sauerstoff.
Und es gibt immer etwas zu sehen. Über der Rundtour ragt die Wildspitze (3.768 m) auf, der höchste Gipfel der Ötztaler Alpen und nach dem Grossglockner der zweithöchste Berg ganz Österreichs. Rund herum breiteten sich Gletscher, Stauseen und Grate aus, über die sich die österreichisch-italienische Grenze zieht.
Die Strecke verbindet sieben Hütten, jede mit ihrer eigenen Geschichte.
Am ersten Tag steigen Sie aus Obergurgl das Langtal-Tal hinauf zur Langtalereckhütte (2.480 m) – ein sanfter Einstieg in die Höhen. Am zweiten Tag führt ein Sattel ins Niedertal-Tal zur Martin-Busch-Hütte (2.501 m) unter dem vereisten Similaun. Und genau von hier aus kann man in einer halben Tages-Wanderung zu einem der berühmtesten Orte der Alpen gelangen: zum Tisenjoch (3.210 m), wo 1991 aus dem Eis ein fünftausend Jahre altes Mumie aufgetaut – Ötzi.
Am dritten Tag führt der Grat zur Hochjoch Hospiz im Rofental. Der ursprüngliche Unterstand wurde in den Jahren 1869–1872 von einem Bergpfarrer und Mitgründer des Alpenvereins Franz Senn errichtet – auf einem Weg, wo kurz zuvor sein Freund an Erschöpfung nach einem Schneesturm starb. Die heutige Hütte steht seit 1927 am gegenüberliegenden Talhang.
Am vierten Tag führt es zur Vernagthütte (2.755 m), erbaut 1901 zwischen den Gletschern Guslarferner und Vernagtferner. Der Vernagtferner ist einer der am längsten wissenschaftlich gemessenen Gletscher der Alpen – Gletscherforscher fahren seit über hundert Jahren hierher. Am fünften Tag überqueren Sie einen Sattel ins Pitztal zur Taschachhaus (2.434 m), eine Trainingsbasis des Alpenvereins direkt an einem Gletschersturz und klassischer Ausgangspunkt für die Wildspitze.
Am sechsten Tag steigen Sie ins Kaunertale ab zur Gepatschhaus (1.928 m). Das ist ein Schatz: überhaupt die älteste Hütte des österreichischen Alpenvereins, eröffnet 1876, heute denkmalgeschützt. Sie wurde dort errichtet, wo damals die Zunge des Gepatschferners endete – und dieser Gletscher bildet zusammen mit dem Kesselwandferner immer noch die grösste zusammenhängende Gletscherfläche Österreichs mit 18 km². Am siebten Tag steigen Sie auf die Kaunergrathütte (2.817 m), den höchsten Punkt des Rundwegs mit Panorama des ganzen Kaunergrads, und dann geht es zurück nach Obergurgl.
Für wen ist das? Für fitte hochalpine Wanderer mit Erfahrung und sicherem Tritt. Die Schwierigkeit ist hoch, einige Etappen führen über Sättel und in Reichweite von Gletschern – wenn Sie sich nicht sicher sind, nehmen Sie einen Bergführer mit. Es ist keine Strecke für den ersten Alpenwochenende.
Wann aufbrechen? Das klassische Fenster ist Ende Juni bis Mitte bis Ende September, wenn die Hütten besetzt sind und die Sättel begehbar sind. Ausserhalb der Saison werden Sie auf Schnee und geschlossene Türen stossen.
Wie reservieren? Über das Alpenverein-Portal (alpenverein.at) bei jeder Hütte einzeln. Alpenverein-Mitgliedschaft bedeutet Rabatt auf Übernachtungen und Vorrang bei Belegung – und in so exponiertem Gelände kommt die Versicherung zugute, die Mitgliedschaft mit sich bringt. Reservieren Sie mit Vorbelastung, diese Hütten füllen sich im Sommer schnell.
Sieben Hütten, sieben Geschichten, ein Gletscherrundweg. Sie verlassen Obergurgl ins Eis – und Sie kehren aus dem Eis nach Obergurgl zurück.
Wähle das Startdatum — bei jeder Nacht auf der Route siehst du sofort die freien Betten und reservierst direkt über das offizielle System des Alpenvereins.