Früher gingen hier Bären hindurch. Heute du — mit Rucksack auf dem Rücken.
Der Bärentrek hat seinen Namen aus einer Zeit, als dieses Stück der Berner Alpen wilde Tiere und kaum ein paar Hirten kannte. Die Bären sind weg. Die Wildheit bleibt. Sechs Tage, hundert Kilometer, über siebentausend Meter bergauf und bergab — das ist wie fünfmal auf die Schneekoppe steigen, nur dass zwischen dir und den Gipfeln der Gletscher Blüemlisalp liegt und ein Trio, das die ganze Welt kennt: Eiger, Mönch und Jungfrau.
Es ist keine zufällige Route. Der Bärentrek sind die sechs wildesten Etappen der langen Fernwanderroute Via Alpina 1, ausgeschnitten aus dem Berner Oberland zwischen Meiringen und Lenk. Und anders als Grate, die dich eine Woche lang nicht runterlassen, atmet dieser Trek anders: jeden Abend steigst du ins Tal hinab, in ein Dorf mit Bett und warmer Mahlzeit — Grindelwald, Lauterbrunnen, Mürren, Griesalp, Kandersteg, Adelboden. Am Morgen wieder hinauf über den Pass. Einatmen, ausatmen. Sechsmal.
Aber das Gelände ist nicht zahm. Der Tag, der hier nur "Königsetappe" genannt wird, führt von Griesalp über das Hohtürli — mit 2778 m der höchste Punkt der ganzen Route. Die letzten Meter des Aufstiegs sind Stufen, in Schutt gemeißelt und gestapelt, die Knie werden sich daran erinnern. Oben wartet die Belohnung: die Blüemlisalphütte SAC auf 2840 m, geklebt an den Gletscher, mit einem Panorama, für das manche Hütte ihre Seele verkaufen würde. Wer hier übernachtet, sieht Eiger, Mönch und Jungfrau aus der ersten Reihe und bricht am Morgen in einen Tag auf, der noch nicht erstarrt ist.
Der zweite Schnitt ins Gedächtnis wird das Sefinenfurgge. Ein Pass mit steilen Abstiegen über brüchigen Schiefer, wo dich hölzerne Treppen wie auf einer Leiter an der Felswand hinabführen. Und dann das Oeschinensee — ein See unter den Wänden der Blüemlisalp, Teil des Gebiets, das die UNESCO als Weltnaturerbe Jungfrau–Aletsch eintrug. Eine Wasserfarbe, die sich nicht beschreiben, nur erleben lässt.
Unterwegs passierst du Orte, die du kennst, obwohl du nie hier warst. Grosse Scheidegg mit dem ersten Blick auf die Nordwand des Eiger. Mürren über der Schlucht des Lauterbrunnens, ein Tal mit zweiundsiebzig Wasserfällen. Adelboden und das Hahnenmoospass, von wo dich zum Lenk die Silhouette des Wildstrubel begleitet. Die letzte Etappe ist nach den vorherigen fast ein Spaziergang — und das ist eine Gnade, denn die Beine haben genug.
Für wen. Nicht für einen Anfänger auf der ersten Mehrtageswanderung, aber auch nicht für Übermenschen. Der Schwierigkeitsgrad ist mittel — technisch nichts über Ferrata (es gibt keine), aber die Kondition zählt. Täglich etwa 15 Kilometer und über tausend Meter Aufstieg, Tag für Tag. Wenn du eine ordentliche Ganztageswanderung und den nächsten Tag wieder schaffst, nimmt dich der Bärentrek mit.
Wann gehen. Das ist eine hochalpine Sommersache. Die Pässe sind hoch und steil, Schnee hält sich lange — das echte Zeitfenster liegt von Mitte Juli bis Mitte September. Davor riskierst du Firn in steilen Rinnen, danach Wetter, das in diesen Höhen keine Witze macht.
Wie es organisieren. Dorfunterkünfte reservierst du direkt in Gasthöfen und Pensionen. Berghütten wie die Blüemlisalphütte gehören zum Schweizer Alpenclub (SAC) und werden in der Hochsaison im Voraus gebucht, online über die Hütte oder den SAC — einfach auf die Blüemlisalphütte hochkommen und auf Glück hoffen ist im August ein Glücksspiel, das sich nicht lohnt. Rucksäcke können dir außerdem auf dem Bärentrek von Ort zu Ort transportiert werden, da man in Tälern schläft; hinauf über die Pässe gehst du nur mit Tagestarucksack.
Hundert Kilometer. Sechs Pässe. Ein Gletscher, den du vom Bett aus sehen kannst.
Die Bären liebten es hier. Du wirst es auch lieben.
Wähle das Startdatum — bei jeder Nacht auf der Route siehst du sofort die freien Betten und reservierst direkt über das offizielle System des Alpenvereins.